Die Summe unserer Eindrücke
Wer sich von Zeit zu Zeit der Hauptstraße in Unterpremstätten entlang bewegt, hat nun weit mehr Farbvielfalt im Blickfeld, als es noch vor ein paar Wochen der Fall war. Clara Sinnitsch und Laura Eibeck haben eine Wand an unserem Standort mit ihrer Kreativität belebt. Erst mit VR-Brillen ausgestattet, dann mit Spraydosen, Fassadenfarbe, Pinsel, Walze und Schwamm entstand das Mural, das weithin sichtbar Handwerk und Wohlbefinden verbildlicht.
Ihr seid beide seit mehreren Jahren selbstständig und setzt diverse grafische Projekte um. Wie ergab sich das?
Clara: Das stimmt. Wir haben uns beim Studium in Graz kennengelernt und arbeiten seitdem immer wieder zusammen, sind aber auch unabhängig voneinander selbstständig tätig.
Laura: Wir sind gegenseitig unsere größten Supporter – und fachlichen Kritikerinnen.
Woher nehmt ihr eure Inspiration?
Laura: Was wir beide immer wieder merken, ist dass wir viel Inspiration aus Musik ziehen – vor allem alles, was visuell um Musik herum passiert.
Clara: Eigentlich sind alle Bereiche, in denen etwas Visuelles oder Kreatives passiert, inspirierend. Wir suchen uns jedoch selten Inspiration in dem Umfeld, in dem wir selbst arbeiten, um nicht Gefahr zu laufen tolle Dinge zu reproduzieren.
Laura: Vor allem inhaltlich lassen wir uns immer wieder von politischen oder gesellschaftlichen Diskursen inspirieren.
Clara: Wenn das Themen sind, die einen sowieso gerade bewegen, ist es oft einfacher einen grafischen Zugang dazu zu finden.
Als Menschen sind wir sowieso die Summe aller Dinge, die wir gesehen und erlebt haben. Daraus ergibt sich viel. Wir reproduzieren unterbewusst grafisch viele Gedankengänge.
Laura Eibeck
Würdet ihr eure Stile unterschiedlich beschreiben?
Laura: Ich bin in meinen alleinigen Arbeiten eher weicher. Prinzipiell orientieren wir uns aber immer am Kontext des Auftrags.
Clara: Meine Arbeiten sind im Vergleich ein bisschen grafischer. Aber unterm Strich wollen wir unsere Projekte supporten und nicht unbedingt unseren Stil durchsetzen. Unser Ziel ist es immer Kreativität, die Message und den/die Auftraggeber*innen in dem jeweiligen Projekt-Stil wiederzufinden.


Wie seid ihr das Mural in Premstätten angegangen?
Clara: Wir haben uns eine Liste mit Schlagworten gemacht, wie sich ein Besuch bei der Bäckerei Sorger anfühlt. Und ein paar Dinge haben sich klar herauskristallisiert: Wärme, Formen, Sinne, Gemütlichkeit und zwischenmenschlicher Austausch.
Laura: So sind auch die Ebenen entstanden, mit denen wir dann gearbeitet haben.
Was sieht man auf dem fertigen Mural?
Laura: Wir haben visuell mit drei Ebenen gearbeitet, die sich einerseits voneinander abheben und doch zusammengehören. So haben wir das Wohlfühlen vor Ort dargestellt.
Clara: Man sieht weiche Formen und Flächen, die mit warmen Farbtönen ausgemalt sind, darauf wiederum befinden sich weitestgehend abstrahierte Personen, um keine Menschen auszuschließen. Über diesen beiden Ebenen, dem Gefühl von Wärme und Gemeinschaft, befinden sich Linien-Illustrationen, die Produkte und Handgriffe zeigen und so alles vereinen.
Während wir an der Wand gearbeitet haben, waren zahlreiche Personen auf der Baustelle zugange und haben den Prozess mitverfolgt – von rosa und braunen Farbflecken hin zu den fertigen Ebenen. Das Feedback von allen, umliegenden Bewohner*innen und Arbeiter*innen, war durchwegs sehr positiv. Das freut uns natürlich sehr.
Clara Sinnitsch
