Blick ins Café miteinand: grüne Farbe an der Wand. Im Raum hängen Zimmerpflanzen von der Decke und Holzelemente schaffen ein gemütliches Ambiente.

Ein Herz für Menschlichkeit

Man fragt sich, wie wohl Zusammenhalt duftet, wie Inklusion denn riechen mag. Immer der Nase nach wird man geführt und landet letztendlich im steirischen Süden, im Bezirk Leibnitz. Zusammen mit der Lebenshilfe Leibnitz haben wir das Café miteinand ins Leben gerufen, ein Projekt für Inklusion und Sichtbarkeit.

Für das Konzept braucht es keine lange Erklärung: „Es steckt schon im Namen“, sagt Paul Sorger-Domenigg, einer der Geschäftsführer der Bäckerei Sorger, lachend auf die Frage, wie man sich die Zusammenarbeit vorstellen kann. „Die Grenzen sollen fließend sein und sind es auch – wir betreiben das Projekt gemeinsam“, ergänzt die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Leibnitz, Ulrike Ablasser. Wie die Idee umgesetzt wird, kann man sich so vorstellen: Beim Betreten des Standortes fällt der Blick sofort auf das Brotregal der Bäckerei, die Vitrine mit Kleingebäck und Süßem. Hier arbeiten die Angestellten der Bäckerei Sorger. Lässt man den Blick weiter nach links wandern, schweift er in den Gastraum des Café miteinand, ein Lokal, in dem die Kund*innen der Lebenshilfe mit der Unterstützung ihrer Assistent*innen Gäste bewirten – unter anderem mit Kuchen von der Bäckerei Sorger. Niemand soll hier ausgeschlossen werden, deswegen funktionieren der Bestellvorgang und auch das Servieren teilweise ein bisschen anders, als die Gäste es vielleicht aus anderen Lokalen kennen.

Wir geben im Café miteinand der Gesellschaft die Möglichkeit zu sehen, dass jede Person einen Beitrag leisten kann.

Ulrike Ablasser

Wie lese ich, wenn ich nicht lese? 

Fragen wie diese haben alle Beteiligten vor eine neue, große Herausforderung gestellt. Eine Filialeröffnung in der Form, gab es zuvor noch nicht. Jedes Problem war neu und verlangte nach einer noch spezielleren Lösung, aber auch das ist gut so und macht das Projekt an sich wertvoll. Wie nimmt man beispielsweise eine Bestellung auf, wenn Lesen und Schreiben eine Schwierigkeit darstellen? Wie kann serviert werden, wenn man die Hände benötigt, um einen Rollstuhl zu fahren? „Ich glaube, dass wir uns zusammen weiterentwickelt und auch voneinander gelernt haben“, meint Ulrike. „Wir haben es genossen und fast jede Lösung ist die erste ihrer Art. Wir wissen, dass wir ein Vorbild für andere Projekte sind.“ 

Hierbei geht es um so viel mehr als nur um Gastronomie. Wir können zu einem Umdenken anregen.

Paul Sorger-Domenigg

Was die Zukunft bereithält

Für die Kund*innen der Lebenshilfe Leibnitz ist diese Kooperation eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung in der Privatwirtschaft, also die Chance, am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Konkret bedeutet das, dass Angestellte im Café miteinand langsam und in einem sicheren Rahmen Bereiche in der Gastronomie kennenlernen können und sich in diesen ausprobieren. Wenn sie mehr wollen und sich bereit fühlen, gibt es in einigen Fällen die Option, in den Betrieb der Bäckerei Sorger zu wechseln und hier eine Anstellung zu beginnen. 

Ein Gewinn für alle

„Mir bereitet es Freude, wenn ich sehe, dass unsere Kund*innen glücklich bei der Arbeit sind und sich weiterentwickeln können“, sagt Ulrike. Paul fühlt ähnlich: „Natürlich freue ich mich, dass wiederum auch unsere Kund*innen sowie die Gäste im Café zufrieden sind. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, unsere Qualität noch weiter zu steigern und fantastische neue Standorte zu erschließen. Dieses Projekt sowie die Location sind ein absolutes Vorzeigebeispiel.“